
Videosprechstunde: Sinnvoll oder eine Spielerei? – Ein Statement von Dr. Andreas M. Bertomeu
9. August 2023
Medfluencer: Gesundheitstipps oder geschicktes Marketing?
Was sind Medfluencer?
Medfluencer – eine Kombination aus Medizin und Influencer – sind Personen, die in sozialen Medien medizinische Themen aufgreifen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Sie sind Ärzt:innen, Physiotherapeuten, Ernährungswissenschaftler oder auch Laien mit großem Publikum. Sie erklären Krankheiten, geben Tipps zur Gesundheitsvorsorge oder testen Produkte aus dem Gesundheitsbereich.
Diese Entwicklung bietet Chancen: Medizinisches Wissen wird niedrigschwellig vermittelt, gesundheitliche Aufklärung erreicht viele Menschen und komplizierte Themen werden verständlich aufbereitet. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie seriös die Inhalte sind – und ob hinter manchen Ratschlägen nicht vor allem ein kommerzielles Interesse steckt.
Wie erkennt man verlässliche Informationen?
Nicht alles, was in sozialen Medien als Gesundheitstipp verbreitet wird, entspricht wissenschaftlichen Standards. Besonders in den Bereichen Ernährung, Fitness, Hautpflege oder alternative Heilmethoden gibt es zahlreiche irreführende Behauptungen. Um zu erkennen, ob eine Information medizinisch fundiert ist, helfen folgende Kriterien:
Qualifikation prüfen
Ist die Person, die die Inhalte veröffentlicht, tatsächlich Ärztin, Heilpraktiker, Physiotherapeut oder Wissenschaftler? Liegen Qualifikationen oder Berufserfahrung im medizinischen Bereich vor?
Quellenangaben beachten
Seriöse Medfluencer beziehen sich auf wissenschaftliche Studien oder offizielle Gesundheitsorganisationen. Unglaubwürdig sind pauschale Behauptungen ohne Belege.
Objektivität hinterfragen
Werden Vor- und Nachteile eines Produkts oder einer Methode dargestellt, oder ist die Empfehlung einseitig?
Achtung bei Heilsversprechen
Aussagen wie Dieses Mittel heilt jede Krankheit oder Mit dieser Methode wirst du garantiert schmerzfrei sind meist unseriös.
Transparenz bei Werbung
Gibt es eine Kennzeichnung als Werbung oder Anzeige? Fehlt eine solche Kennzeichnung trotz Produktplatzierung, ist Skepsis geboten.
Wann steckt eine Verkaufsstrategie dahinter?
Viele Medfluencer finanzieren sich über Kooperationen mit Unternehmen und bewerben Nahrungsergänzungsmittel, Hautpflegeprodukte oder Trainingsgeräte. Das muss nicht grundsätzlich problematisch sein – solange die Empfehlungen objektiv und wissenschaftlich nachvollziehbar sind.
Folgende Anzeichen deuten darauf hin, dass eher das Marketing als der medizinische Nutzen im Vordergrund steht:
Dauerhafte Produktplatzierung
Wenn in fast jedem Beitrag ein bestimmtes Produkt empfohlen wird, ist die Unabhängigkeit fraglich.
Aufforderung zum schnellen Kauf
Aussagen wie Nur heute 20 % Rabatt oder unbedingt ausprobieren, bevor es ausverkauft ist zielen eher auf Konsum als auf Gesundheitswissen.
Fehlende neutrale Bewertungen
Wird das Produkt ausschließlich gelobt, ohne potenzielle Nebenwirkungen oder Einschränkungen zu nennen, ist Vorsicht geboten.
Verlinkungen zu fragwürdigen Verkaufsplattformen
Wenn Produkte nur über spezielle Links oder unbekannte Webseiten erworben werden können, ist eine kritische Prüfung ratsam.
Informieren statt blind vertrauen

Medfluencer können eine wertvolle Ergänzung zur Gesundheitsaufklärung sein – vorausgesetzt, sie arbeiten mit wissenschaftlich fundierten Fakten und bleiben unabhängig. Einige seriöse Medfluencer hat die IKK Classic auf ihrer Website unter Welche Medizin-Influencer sind seriös? zusammengestellt. Verbraucher sollten Inhalte kritisch hinterfragen, Qualifikationen prüfen und Werbestrategien erkennen.
Für verlässliche Informationen zu medizinischen Themen sind offizielle Gesundheitsportale, Fachgesellschaften oder Beratungsstellen die beste Anlaufstelle. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BiÖG), das Robert Koch-Institut (RKI) oder Krankenkassen bieten geprüfte und seriöse Informationen, die nicht durch kommerzielle Interessen beeinflusst sind. Auch wir haben eine Übersicht seriöser Gesundheitsinformationen sowie Tipps zur Internetrecherche von Gesundheitsinformationen zusammengestellt.
Wer soziale Medien als Informationsquelle nutzt, sollte daher immer nach wissenschaftlichen Belegen fragen – und sich nicht allein von Reichweite oder schönen Bildern beeinflussen lassen.
